Tschüss, Fehlerteufel! 10 kreative Ideen, wie dein Kind richtig schreiben lernt
- vor 6 Tagen
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Der rote Stift der Lehrerin, das mühsame Radieren, die verkrampfte Hand – für viele Kinder ist das Schreiben mit Versagensangst besetzt. Dabei kann jedes Kind erkennen, dass Schreiben etwas Magisches ist: Wir machen unsere Gedanken für andere sichtbar!
Damit der Frust verschwindet, müssen wir den Fokus weg vom „richtig machen“ hin zum „tun“ lenken. Wenn wir das Schreiben in den Alltag integrieren und dabei alle Sinne nutzen, baut das Gehirn stabilere Verknüpfungen auf. Hier sind meine 10 Favoriten für spielerisches Erlernen von Buchstaben und Rechtschreibung, die auch bei Kindern mit LRS oder Legasthenie helfen.
1. Die Mehl- oder Sand-Wanne (Spüren statt Stift)
Manchmal ist das Papier das Problem. Fülle eine flache Schale mit Sand, Grieß oder Mehl. Dein Kind darf Buchstaben oder Wörter direkt mit dem Finger hineinschreiben. Das taktile Feedback (das Spüren an der Fingerspitze) hilft dem Gehirn, sich die Form der Buchstaben viel besser zu merken als mit einem harten Stift.
2. Das Haus wird beschriftet (Wortbilder festigen)
Nutzt Post-its! Klebt gemeinsam Zettel an Gegenstände: „T-I-S-C-H“ auf den Tisch, „T-Ü-R“ an die Tür. Das Kind sieht diese Wörter nun ständig im Vorbeigehen. Das visuelle Wortbild prägt sich ganz ohne aktives Üben ein.
3. Riesen-Buchstaben mit Kreide oder in der Luft (Grobmotorik zuerst)
Geht raus auf die Straße! Mit dicker Straßenkreide oder dem gestreckten Arm darf dein Kind Wörter so groß schreiben, wie es nur kann. Warum? Große Bewegungen aus der Schulter heraus sind für das Gehirn leichter zu speichern als die winzige Feinmotorik der Finger. Außerdem nutzen wir hier wieder unseren Gehirn-Dünger: Durch die Bewegung werden beide Gehirnhälften aktiviert. Wenn das Kind dabei die Augen schließt, muss es sich das Wort innerlich vorstellen – ein geniales Training für die Rechtschreib-Merkfähigkeit!
4. Essbare Wörter (Buchstabensuppe 2.0)
Wer sagt, dass man mit Essen nicht spielt? Legt Buchstaben oder Lernwörter aus Salzstangen, Apfelschnitzen oder Mandeln. Wer das Wort richtig „gebaut“ hat, darf es danach genüsslich aufessen. Motivation pur!
5. Detektiv-Arbeit mit dem Zauberstift
Nutzt Stifte, die man wegrubbeln kann (Frixion-Pens) oder kleine Whiteboards. Die Gewissheit, dass ein Fehler innerhalb von einer Sekunde spurlos verschwinden kann, nimmt den enormen Perfektionsdruck. Wer keine Angst vor Fehlern hat, schreibt mutiger und öfter.
6. Silben-Klatschen und Rhythmus
Rechtschreibung hat viel mit Rhythmus zu tun. Klatscht, hüpft oder trommelt Wörter beim Schreiben: „Scho-ko-la-de“. Jede Silbe bekommt einen „Beat“. Das hilft dem Kind, keinen Buchstaben zu vergessen, weil jeder Laut seinen Platz im Rhythmus hat.
7. Die „Quatsch-Sätze“ (Kreativität vor Korrektheit)
Schreibt gemeinsam die unsinnigsten Sätze der Welt: „Die lila Kuh tanzt auf dem Kühlschrank.“ Oder entwickelt gemeinsame eine Geschichte, indem jeder eine Zeile auf ein Blatt Papier schreibt. Das Papier wird so gefaltet, dass man immer nur den letzten Satz sieht, dann ist der nächste an der Reihe. Wenn der Inhalt lustig ist, rückt die Anstrengung des Schreibens in den Hintergrund. Lachen entspannt das Gehirn – und ein entspanntes Gehirn lernt leichter.
8. Nützliche Alltags-Dinge schreiben
Schreiben braucht einen Sinn. Lass dein Kind erfahren, wozu Schreiben wichtig ist. Die Einkaufsliste, eine Postkarte an die Oma, ein Wunschzettel ans Christkind oder eine kleine Nachricht an den besten Freund. Wenn das Kind merkt: „Hey, meine Schrift bewirkt etwas!“, steigt das Interesse an der richtigen Schreibweise ganz von allein.
9. Digitales Tippen (Andere Wege gehen)
Manchmal blockiert die Handschrift den Denkfluss. Lass dein Kind Wörter am Computer oder Tablet tippen. Das Schriftbild ist immer sauber, und die Suche nach den Buchstaben auf der Tastatur ist ein ganz anderes, oft einfacheres Training für das visuelle Gedächtnis.
10. Lesen, lesen, lesen (Wörter richtig sehen)
Um die Rechtschreibung zu trainieren und zu fixieren ist Lesen das Um und Auf. Dein Kind sieht die Wörter und merkt sich mit der Zeit, wie sie richtig geschrieben werden. Sieht ein falsch geschriebenes Wort komisch aus, habt ihr gewonnen! Einfach umsetzbare Ideen, wie dein Kind ganz nebenbei zum Lese-Profi wird, findest du bei meinen 10 Tipps, wie ihr Lesen in den Alltag integriert.
Mein Fazit zum Schreiben lernen als Lernbegleiterin:
Buchstaben schreiben lernen und Rechtschreibung sind kein Talent, sondern ein Prozess. Indem wir das Schreiben vom Papier lösen und in die Bewegung, ins Spiel und in den Alltag bringen, nehmen wir dem Kind die Last von den Schultern.
Denk dran: Jeder geschriebene Buchstabe ist ein Training für das Gehirn – egal ob er in den Sand, mit Kreide auf den Asphalt oder mit Liebe auf einen Brief geschrieben wurde.




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