Nachhilfe reicht oft nicht: Warum „mehr üben“ bei Lernschwäche der falsche Weg ist
- vor 6 Tagen
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Letzte Woche war Schularbeit und das Ergebnis wird mit Spannung (und den schlimmsten Befürchtungen) erwartet. Die Note? Wieder ein Nicht Genügend. Tränen, Enttäuschung, Bildschirm-Verbot. Die Verzweiflung wächst auf allen Seiten.
Die logische Konsequenz für viele Eltern: „Dann müssen wir eben noch mehr üben!“ Es wird eine Nachhilfe organisiert, noch mehr Arbeitsblätter werden ausgedruckt, und die Wochenenden bestehen nur noch aus Vokabeln oder Malreihen.
Doch die Mühe ist meist vergebens. Statt besserer Noten erntet man nur noch mehr Misserfolge bis hin zur totalen Blockade. Warum? Weil man versucht, den Dachboden auszubauen, wenn das Fundament Risse hat.
Wenn grundlegende Lernschwierigkeiten wie Legasthenie/LRS oder Rechenschwäche/Dyskalkulie im Spiel sind, ist „mehr üben“ nicht nur wirkungslos – es ist oft sogar kontraproduktiv. Um deinem Kind wirklich zu helfen, müssen wir erst einmal verstehen, welche Art von Unterstützung es eigentlich braucht.
Nachhilfe, Lerncoaching, Lernbegleitung - was hilft wie?
Liegt der Verdacht auf Lernschwäche vor, gibt es drei klassische Wege der Unterstützung. Jeder hat seine Berechtigung, aber sie setzen an völlig unterschiedlichen Punkten an.
1. Nachhilfe: Der „Lückenfüller“
Nachhilfe ist gefragt, wenn ein Kind den Anschluss verpasst hat – zum Beispiel durch eine lange Krankheit, einen Lehrerwechsel oder weil ein bestimmtes Thema (wie die Prozentrechnung) einfach einmal gründlich erklärt werden muss.
Fokus: Der aktuelle Schulstoff, eventuell direkt im Hinblick auf die nächste Prüfung
Ziel: Wissenslücken schließen, den nächsten Test bestehen
Wann ideal? Wenn das Kind grundsätzlich weiß, wie man lernt, aber inhaltlich „hinterherhinkt“
2. Lerncoaching: Die „Werkzeugkiste“
Beim Coaching geht es weniger um das Was, sondern um das Wie. Hier arbeiten wir an der Einstellung zum Lernen und an der Organisation.
Fokus: Motivation, Zeitmanagement, Konzentration und Prüfungsangst
Ziel: „Lernen lernen“ und emotionale Blockaden lösen
Wann ideal? Wenn das Kind mit dem Inhalt grundsätzlich kein Problem hat, sich aber selbst im Weg steht, unter Stress alles vergisst oder völlig unorganisiert ist
3. Lernbegleitung / Lerntherapie: Das „Fundament“
Hier kommen wir in meinen Bereich. Wenn eine Rechenschwäche oder eine LRS vorliegt, hilft Nachhilfe nicht, weil das Kind die Basis nicht verinnerlicht hat. Es bringt nichts, das 1x1 zu pauken, wenn das Kind noch gar keine Vorstellung von Mengen hat.
Fokus: Aufbau der Grund-Voraussetzungen (Wahrnehmung, Mengenverständnis, Lautverarbeitung)
Ziel: Analysieren, wo dein Kind steht, dann das Fundament neu bauen, damit schulisches Lernen überhaupt wieder andocken kann
Wann ideal? Wenn trotz Übens keine Fortschritte passieren, das Kind bei den Grundlagen stagniert und der Leidensdruck in der Familie extrem hoch ist
Klartext: Warum bei Lernschwäche „mehr desselben“ gefährlich sein kann
Stell dir vor, du versuchst, eine Schraube mit einem Hammer in die Wand zu schlagen. Es funktioniert nicht. Würdest du jetzt einfach einen größeren Hammer nehmen und noch fester zuschlagen? Wahrscheinlich nicht – du würdest das Werkzeug wechseln.
In der Lernbegleitung wechseln wir das Werkzeug. Wenn ein Kind mit LRS mehr lesen muss, ohne die Strategien dafür zu haben, festigt es nur seine Fehler und sein Gefühl: „Ich bin zu dumm.“ Das zerstört das Selbstwertgefühl nachhaltig.
Ganz wichtig: Dein Kind muss den Spaß am Rechnen, Schreiben, Lesen und ganz allgemein am Lernen wiederfinden. Spielerische Methoden, die richtigen Tools, geniale Tricks und kleine Erfolgserlebnisse stärken das Selbstvertrauen und vermitteln deinem Kind „Ich kann es doch!“ Für diese individuelle Förderung ist in der Schule und zuhause in den meisten Fällen keine Zeit. In der Lernbegleitung dagegen steht sie im Fokus.
Zusammenfassung: Wer braucht was?
Situation | Die richtige Hilfe |
Stoff verpasst, gezielte Prüfungsvorbereitung | Nachhilfe |
Angst vor Schularbeiten / Blackouts | Lerncoaching |
Verdacht auf LRS oder Dyskalkulie | Lernbegleitung |
Hausaufgabenstress & Motivationslosigkeit | Lerncoaching und -begleitung |
Mein Fazit als Lernbegleiterin
Bevor ihr die nächste Übungseinheit startet, haltet kurz inne. Schaut euch an, warum es hakt. In den meisten Fällen sind Kinder weder faul noch dumm, sondern einfach frustriert und am Ende ihrer Strategien. Manchmal ist der mutigste Schritt nicht, „noch mehr“ zu tun, sondern etwas anderes zu tun.
Bist du unsicher, welche Unterstützung dein Kind gerade wirklich braucht?
Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen. In einem unverbindlichen Erstgespräch klären wir, ob wir am Stoff, an der Methode oder am Fundament ansetzen sollten. Damit Lernen wieder ohne Tränen gelingt.




Danke für die Klarstellung - gut zu wissen!