Schule: Bitte in den Sommerferien üben! – Was jetzt?
- 3. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 13 Stunden

Die Zeugnisse sind verteilt. Die Schultasche landet in der Ecke. Endlich Sommerferien!
Doch ein Satz bleibt hängen - und taucht immer wieder auf:
"Bitte in den Ferien fleißig üben!", hat die Lehrerin gesagt.
"Sonst könnte es in der zweiten Klasse schwierig werden."
Und ganz ehrlich: Du weißt selbst, dass dein Kind beim Lesen, Schreiben oder Rechnen noch Unterstützung braucht. Vielleicht ist das auch im Zeugnis der ersten Klasse sichtbar - schwarz auf weiß.
Und so mischt sich in die Vorfreude auf die Ferien plötzlich ein leises, aber ungutes Gefühl.
Müssen wir jetzt wirklich üben?
Wie oft?
Wie lange?
Mein Kind will ja nicht mal Hausaufgaben machen - wie sollen wir da üben?
Spätestens nach dem ersten Arbeitsblatt war's das ja sowieso mit der Motivation.
Wenn dir diese Gedanken bekannt vorkommen, bist du nicht allein.
Viele Eltern stehen genau vor diesem Dilemma:
Sie möchten ihrem Kind die wohlverdienten Ferien gönnen. Lange schlafen, Freunde treffen, Ausflüge unternehmen, spielen - einfach raus aus dem Schul-Modus!
Gleichzeitig wollen sie aber auch nicht riskieren, dass der Schulstart im Herbst noch schwieriger wird. Denn die Hoffnung, dass es "dieses Jahr schon von selbst besser werden wird", bleibt in den meisten Fällen ein Wunschtraum.
Die gute Nachricht ist:
Du musst dich nicht zwischen „gar nichts tun“ (schlechtes Gewissen) und „jeden Tag Arbeitsblätter“ (Stress auf beiden Seiten) entscheiden.
Es gibt einen anderen Weg.
Warum die Lehrerin mit ihrem Rat nicht unrecht hat
Kinder, die beim Lesen, Schreiben oder Rechnen bereits am Anfang Schwierigkeiten haben, profitieren oft davon, wenn sie in den Sommerferien nicht alles komplett ruhen lassen.
Denn gerade Grundlagen geraten sonst schnell in Vergessenheit.
Aber – und das ist der entscheidende Punkt:
Nicht jedes Üben hilft automatisch.
Du blätterst die Hefte aus der Schule durch.
Du druckst Arbeitsblätter aus.
Du überlegst dir Aufgaben.
Du setzt dich mit deinem Kind hin.
Motivierst es, belohnst es.
Erklärst, warum üben in den Ferien so wichtig ist.
Und es klappt - NICHT.
Wenn Lernen jeden Tag im Streit endet, dein Kind nur noch widerwillig mitmacht und ihr beide frustriert seid, bringt euch das keinen Schritt weiter.
Aber sei beruhigt: Nicht die Menge macht den Unterschied.
Sondern die Art, wie ihr übt.
Es geht nicht darum, möglichst viel zu üben
Viele Eltern fragen mich:
„Wie viel sollen wir in den Ferien denn lesen/schreiben/rechnen üben?“
Wieviele Minuten? Wieviele Tage? Wieviele Aufgaben?
All diese Fragen beantworte ich nie mit einer Zahl.
Denn jedes Kind ist anders und braucht etwas anderes.
"Täglich 10 Minuten lesen" wird oft empfohlen.
Aber: "Komm, jetzt setzen wir uns hin und lesen 10 Minuten" funktioniert in den allerwenigsten Fällen ohne frustriertes Augenrollen.
"Hast du heute schon deine Mathe-Übungen gemacht?" führt noch weniger zum Erfolg.
Denn Kinder, die in den Ferien üben "müssen" haben meist in der Schule das Gefühl bereits mitbekommen, nicht gut genug zu sein. Und wer will schon etwas machen, in dem er nicht gut ist?
Viel wichtiger als die Dauer ist deshalb die Frage:
Wie können wir Lernen so gestalten, dass möglichst wenig Widerstand entsteht?
Denn genau dann kann Lernen gelingen.
Lernen darf sich leicht anfühlen
Kinder lernen keineswegs nur am Schreibtisch.
Sie lernen überall dort, wo sie neugierig sein dürfen, etwas ausprobieren können und Erfolgserlebnisse sammeln.
Deshalb muss „Üben“ in den Ferien nicht bedeuten, jeden Vormittag Arbeitsblätter auszufüllen.
Oft entstehen die schönsten Lernmomente mitten im Alltag.
Zum Beispiel:
Gemeinsam die Speisekarte im Restaurant lesen.
Die Packliste für den Urlaub schreiben und abhaken.
Beim Backen oder Kochen Zutaten abwiegen und Mengen berechnen.
Im Freibad ausrechnen, ob sich mit 5 Euro Pommes UND ein Eis ausgehen. Und wie viel auf eine Pizza fehlt.
Auf Autofahrten Wörter auf Schildern entdecken. Im Internet recherchieren, wo welches Kennzeichen herkommt.
Gemeinsam ein spannendes Buch lesen – abwechselnd Seite für Seite.
Einen Ferienplan gestalten und selbst aufschreiben.
Im Urlaub Lieblingswörter in anderen Sprachen sammeln.
Beim Federballspielen einen Rekord aufstellen - und jedesmal ausrechnen, wie viel bis zur aktuellen Bestleistung noch fehlt.
All das fühlt sich nicht wie Unterricht an.
Und genau deshalb funktioniert es oft so gut.
Wenn dein Kind trotzdem keine Lust hat
Du baust immer wieder Lernmomente in den Alltag ein, aber trotzdem kommt dauernd "Ich mag nicht"?
Manchmal steckt hinter dem Widerstand mehr als fehlende Motivation.
Vielleicht hat dein Kind Angst, Fehler zu machen.
Vielleicht kostet Lesen oder Rechnen unglaublich viel Kraft.
Vielleicht hat es einfach zu oft erlebt, dass Lernen mit Druck verbunden ist.
Dann hilft noch mehr Druck meistens nicht weiter.
Es lohnt sich vielmehr, einen Schritt zurückzugehen und sich zu fragen:
Was braucht mein Kind eigentlich gerade?
Wo sitzt das eigentliche Thema?
Denn jedes Kind lernt anders.
Und jedes Kind darf seinen eigenen Weg finden.
💛 Biancas Mutmacher
Vielleicht hast du gerade das Gefühl, alles richtig machen zu müssen.
Die Ferien genießen.
Genug üben.
Die Empfehlung der Lehrerin umsetzen.
Und dabei bitte keinen Streit verursachen.
Keine "blöde Mama" sein.
Das ist ganz schön viel.
Deshalb möchte ich dir heute etwas mitgeben:
Weder du, noch eure Familie, noch dein Kind, noch die Ferien müssen perfekt sein.
Dein Kind braucht keine täglichen Lerneinheiten am Schreibtisch.
Es braucht Erwachsene, die hinschauen, zuhören und bereit sind, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Denn es gibt nicht den einen richtigen Weg für alle Kinder.
Aber es gibt immer einen Weg, der zu deinem Kind passt.
Du bist unsicher, was dein Kind wirklich braucht?
Wenn Üben und Lernen regelmäßig in Frust, Tränen oder Streit enden und du nicht weißt, woran es liegt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ursachen.
Genau dafür habe ich den Lern-Check entwickelt.
Er hilft dir dabei, besser zu verstehen, warum Lernen für dein Kind gerade so anstrengend ist – und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten.
Ich wünsche euch wunderbare Ferien!
Bleib zuversichtlich. 💛




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