top of page

Lernen in den Sommerferien: Wie viel Üben ist wirklich sinnvoll?

  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Stunde

Schulkind in den Ferien am Strand

Wieviele Stunden oder Tage dein Kind in den Ferien übt, ist nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass Lernen mit Spaß und ohne Druck gelingt, regelmäßige Erfolge vorhanden sind und der Lernweg zu deinem Kind passt.


Die ersten Ferientage vergehen wie im Flug. Werden zu Wochen.

Die Schultasche steht immer noch irgendwo in einer Ecke. Daneben liegt das Lesebuch, die Mappe mit den Arbeitsblättern und vielleicht sogar ein Ferien-Übungsheft. Die dünne Staubschicht darauf schimmert im Sonnenlicht.


Eigentlich wolltet ihr ja über den Sommer fleißig üben. Oder zumindest ein bisschen.


Aber zuerst war da die Zeugnisfeier. Dann der Badesee. Der Urlaub. Freunde treffen. Ausschlafen. Eis essen. Und oft war es auch einfach zu heiß.


Aber nach und nach meldet sich diese kleine Stimme im Hinterkopf:

„Oh nein ... wir hätten doch eigentlich schon längst anfangen sollen!“

Also überwindest du dich.

Kramst die Schultasche hervor.

Jetzt nur noch das Kind finden.

Und irgendwie dazu bringen, sich freiwillig an den Küchentisch zu setzen.

Und die Stifte in die Hand zu nehmen.


Wenn du dich da ein bisschen wiedererkennst, möchte ich dir als Erstes etwas sagen:

Ihr habt bis jetzt nichts falsch gemacht.


Ferien sind keine verschwendete Lernzeit

Gerade nach einem anstrengenden Schuljahr brauchen Kinder zunächst einmal etwas, das im Schulalltag oft zu kurz kommt:

Zeit zum Durchatmen.

Das Gehirn arbeitet nämlich auch dann weiter, wenn dein Kind gerade nicht über Arbeitsblättern sitzt.

Neue Erfahrungen werden verarbeitet.

Gelerntes wird gefestigt.

Verbindungen zwischen Nervenzellen werden gestärkt.

Diese sogenannten Konsolidierungsprozesse sind ein ganz normaler Teil des Lernens – und sie brauchen Ruhe genauso wie Übung.

Deshalb sind die ersten Ferientage oder sogar die ersten Ferienwochen keine verlorene Zeit.

Im Gegenteil.

Sie helfen vielen Kindern dabei, Kraft für das neue Schuljahr zu sammeln.


Ganz ohne Üben?

So wichtig die Erholung ist: Für manche Kinder ist es trotzdem nicht ideal, die gesamten Ferien über gar nichts zu tun.

Vor allem dann nicht, wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen schon im vergangenen Schuljahr große Herausforderungen waren.

Denn grundlegende Fertigkeiten geraten ohne Wiederholung leichter in Vergessenheit.


Jedes Mal, wenn dein Kind etwas Neues lernt, legt sein Gehirn dafür einen Trampelpfad an. Wird die Fähigkeit oder das Wissen regelmäßig wiederholt, wird aus dem Trampelpfad bald ein befestigter Weg, bald eine breite Straße und irgendwann eine vierspurige Autobahn. Trampelpfade, die nicht gepflegt und ausgebaut werden, wachsen wieder zu und geraten in Vergessenheit.


Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ihr unzählige Arbeitsblätter lösen müsst.


Es gibt keine magische Minutenzahl

Tja - wie viel sollen Grundschulkinder nun in den Sommerferien üben? Vielleicht hast du schon einmal nach einer Antwort gesucht wie:

  • 10 Minuten täglich?

  • 20 Minuten?

  • Jeden zweiten Tag?

  • Zumindest einmal pro Woche?

  • Nur lesen?

  • Oder sollten wir nach dem Lesen auch gleich rechnen?


Ich muss dich leider enttäuschen.

Diesen einen "richtigen" Ansatz, diese eine "richtige" Zahl gibt es nicht.

Denn jedes Kind bringt etwas anderes mit:

  • einen anderen Lernstand,

  • andere Stärken,

  • andere Schwierigkeiten,

  • eine andere Belastbarkeit,

  • und eine andere Art zu lernen.


Deshalb stelle ich Eltern viel lieber drei andere Fragen.


Drei Fragen sind wichtiger als die perfekte Zahl an Lernminuten

1. Hat mein Kind Erfolgserlebnisse?

Lernen darf fordern.

Aber es sollte dein Kind nicht ständig überfordern.

Geht dein Kind völlig erschöpft in die Ferien, darf es erstmal ein paar Wochen Ferien machen. Und dann ohne Stress und Druck wieder starten.

Wenn dein Kind dann merkt: „Das kann ich auf einmal!“, wächst gleichzeitig das Selbstvertrauen.

Und Lernen macht plötzlich Spaß.


2. Entsteht beim Üben Druck oder Leichtigkeit?

Ein bisschen Unlust ist völlig normal.

Wenn allerdings jede Übungseinheit in Tränen, Streit oder völliger Verweigerung endet, lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Nicht mehr Druck ist dann die Lösung.

Sondern ein anderer Weg.


3. Passt das Üben überhaupt zu meinem Kind?

Du kennst dein Kind am besten.

Nicht jedes Kind lernt am effektivsten mit Arbeitsblättern.

Vielleicht funktioniert Lesen auf der Picknickdecke am See besser.

Vielleicht Rechnen an der Gondelstation in die Berge.

Vielleicht Schreiben bei der Ansichtskarte an die Oma.

Je besser das Üben zum Kind und zu eurem (Ferien-)Alltag passt, desto leichter wird es.


Tipp: Hier gibt's noch mehr Alltags-Ideen fürs Lesen, Schreiben und Rechnen.


Eine grobe Orientierung

Viele Familien fahren gut damit:

  • zwei- bis viermal pro Woche

  • Lerneinheiten von maximal 20 Minuten

  • möglichst spielerisch in den Alltag einbauen

  • aufhören, solange es noch Spaß macht


Nicht die Häufigkeit oder die Länge sind entscheidend.

Sondern die Regelmäßigkeit und die Freude am Lernen. Wenn Lesen, Schreiben und Rechnen Spaß machen, in Spiele verpackt werden und bei gemeinsamen Erlebnissen verbinden, wird es sogar von den Kindern oft selbst eingefordert.

Wie oft habe ich von meiner sechsjährigen Tochter gehört: "Mama, stell mir Minus-Aufgaben. Aber nicht über 20!" Weil es ihr Spaß macht.


Woran merke ich, dass wir in den Ferien zu wenig üben?

Zum Beispiel wenn ...

  • Lesen, Schreiben oder Rechnen über viele Wochen überhaupt keine Rolle mehr spielen,

  • dein Kind bereits sicher gekonnte Grundlagen plötzlich nur noch schwer abrufen kann,

  • oder der Gedanke an den Schulstart zunehmend Unsicherheit auslöst.

Dann können kleine, regelmäßige Lernmomente hilfreich sein, die nach und nach selbstverständlich zum Alltag gehören.


Woran merke ich, dass wir mit zu viel Druck üben?

Auch viel üben kann zu viel sein und nach hinten losgehen.

Vielleicht erkennst du dein Kind hier wieder:

  • Es reagiert schon beim Wort „Üben“ mit Widerstand.

  • Es entstehen fast täglich Streit und Tränen.

  • Dein Kind wirkt erschöpft oder blockiert.

  • Ihr seid beide nach jeder Übungseinheit frustriert.


Dann lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und bewusst eine Pause einzulegen. Denn wenn dein Kind unter Stress steht, hat sein Gehirn kaum Kapazität für neue Lerninhalte.


💛 Biancas Mutmacher

Du musst die Sommerferien nicht nutzen, um dein Kind perfekt auf die nächste Klasse vorzubereiten oder alles Versäumte oder Vergessene aufzuholen.

Dein Kind braucht unbedingt Erholung. Und du auch.

Ihr braucht Ferien, in denen ihr spielen, lachen, entdecken und Kraft sammeln dürft.

Dein Kind braucht Erwachsene, die den Mut haben, den Weg zu wählen, der zu ihrem Kind passt – statt starr auf Minuten und Übungspläne zu schauen.

Denn Lernen gelingt nicht, weil wir möglichst viel üben.

Sondern weil wir auf die richtige Weise üben.


Du bist unsicher, was dein Kind gerade wirklich braucht?

Vielleicht hast du trotzdem das Gefühl, ihr sollt

et mehr tun. Oder anders tun. Du kannst aber nicht einschätzen, warum Lernen für dein Kind so anstrengend ist oder welcher Weg zu euch passen könnte? Dann mach meinen Lern-Check. Er hilft dir dabei, die Ursachen besser zu verstehen und erste passende Schritte zu finden.


Bleib zuversichtlich. 💛

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page