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Mein Kind ist so anstrengend - ich kann nicht mehr!

  • 13. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Apr.

Mein Kind ist so anstrengend, ich kann nicht mehr

Kinder SIND anstrengend. Eltern an ihre Grenzen zu bringen liegt in ihrer Natur, das ist ihr Job. Das Geheimnis, um damit umzugehen? Nicht die Kinder, sondern unser Verhalten zu ändern! 


Terrible Twos. Trotzphase. Autonomiephase. Wackelzahn-Pubertät. Teenie-Dramen. Man redet sich ja ständig ein, dass das Leben mit Kindern weniger anstrengend wird, wenn die Kinder älter sind. Wird es aber nicht. Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Nur anders. Und eher – genauso wie die Kinder – größer. Ihr kennt das. 


Googelt man um Hilfe findet man unzählige Tipps, wie man mit kindlichem Eigenwillen am besten umgeht:

  • Will das Kind nicht aufhören zu spielen und ihr müsst los, lasst es zwei Spielsachen ins Auto mitnehmen. 

  • Wirft es sich im Supermarkt brüllend am Boden weil es keine Schokolade bekommt (der viel zitierte Klassiker), lenkt es ab und zeigt ihm den niedlichen Hundewelpen am Eingang/die bunten Luftballons an der Kassa/die vielen Autos auf dem Parkplatz.

  • Lasst es selbst zwischen dem grünen und dem blauen T-Shirt entscheiden. Dann hat es das Gefühl, seine eigene Wahl getroffen zu haben und das Anziehen wird nicht mehr zum Kampf. 

  • Konsequent sein: Schaut das Kind heimlich fern, gibt es eine Woche Bildschirm-Verbot.

  • „Wenn du lauter Einser hast, darfst du dir was wünschen!“

  • "Wenn du nicht lauter Einser hast, bekommst du ein Monat lang kein Taschengeld!"


Es gibt da nur ein Problem an der ganzen Sache: All diese Strategien sind eigentlich Tricks, unser Kind irgendwie dazu zu bringen, zu tun, was wir möchten. Es also zu manipulieren. Am besten funktioniert das bei Kleinkindern. Meistens in der Grundschule, spätestens aber als Teenager durchschauen die Kinder diese Tricks und dann ist der Zug abgefahren. Denn irgendwann hilft weder Drohung, noch Belohnung und auch der jahrelang praktizierte Wettlauf "Ich hab mir als erstes die Hände gewaschen" lockt keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.


Wie untergraben die Menschenwürde unserer Kinder. Und kommen damit langfristig ohnehin nicht weit. Deshalb sollten bei diesen Strategien die Alarmglocken schrillen.

Stattdessen sollten wir nicht versuchen, das Verhalten unserer Kinder zu ändern, sondern unser eigenes. 


Der beste Trick überhaupt: Selber entspannt sein!

Entspannte Eltern haben entspannte Kinder. Dies ist so eine geflügelte Phrase, die man in Beziehungs-Ratgebern, auf Spruchkarten, in Kalendern, etc. immer wieder liest und die wir selber gern nutzen by the way. Denn sie ist so was von wahr. Und sie gilt immer – von der Autonomiephase bis zur Pubertät!


Aus dem Leben gegriffen: Ich war genervt. Und gestresst. Hatte mega-viel zu tun und meine Tochter hatte Fieber. Ich hoffte, dass sie lange schläft, damit ich zumindest in der früh noch in Ruhe arbeiten konnte.

Natürlich nicht. Als die restliche Familie außer Haus war, wurde sie wach.

Und war furchtbar grantig. Nichts passte ihr. Essen, Trinken, Anziehen, Nasenspray, Fiebermesser, Hörspiel – alles wurde lautstark als Katastrophe abgewehrt. Was war los? Sie war krank, erschöpft und müde. Sie wusste, dass sie bei mir normalerweise Trost fand und Kraft tanken konnte. Stattdessen fand sie meinen Stress und meine Anspannung – was sie natürlich mit noch mehr Unmut quittierte. Der Teufelskreis war erst beendet, als ich das Allernötigste erledigt und die Entscheidung getroffen hatte, das Arbeiten heute einfach ohne schlechtes Gewissen sein zu lassen. Dann war mir wieder leichter ums Herz – und ihr auch. 


Warum das so ist? Kinder spiegeln uns!

Seit der frühesten Steinzeit sind Kinder darauf angewiesen, in Beziehung mit den Erwachsenen zu treten, um angenommen zu werden und zur Gruppe dazuzugehören, denn ohne ihre Fürsorge und ihren Schutz können sie nicht überleben.

Dies machen sie unter anderem durch Nachahmung und spiegeln. Sie ahmen unseren Mimik und unsere Bewegungen nach, werden ruhig wenn wir es sanft wiegen und trösten, lächeln wenn wir lächeln – und schreien wenn wir schreien. 

Des Öfteren hörte ich von meinem Großen: „Hörst du jetzt auf damit, das gibt’s ja nicht!“ oder „Wenn das nicht funktioniert, bin ich echt sauer!“ Den vorwurfsvollen Ton darin trifft er ebenfalls schon perfekt! Innerlich muss ich lachen, denn er hält uns einfach einen Spiegel vor! Stellt euch vor, ich würde ihn für dieses Verhalten bestrafen – ein Verhalten, dass er von seinen Eltern, den großen Vorbildern, gelernt hat! 


Kinder lernen bis zum Erwachsenen-Alter durch Nachahmung. Kinder und Teenies schreien dann in Stresssituationen, fluchen, befehlen, schimpfen und lästern über Gott und die Welt, machen rassistische Witze oder „brauchen ein Bier, um runter zu kommen“.  


Das Gemeine daran: Sie spiegeln auch unsere versteckten Emotionen!

Kinder haben extrem feine Antennen. „Das hat die Natur so eingerichtet“, würde unser Sohn sagen. Sie merken sofort, wenn etwas im Busch ist. 

Zwischen Mama und Papa kriselt es, es gibt Streit mit den Schwiegereltern, schwere Krankheit in der Familie oder finanzielle Probleme. Sie beobachten, dass Mama und Papa oft „Ja“ sagen, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollen und sich danach schlecht fühlen. (Deshalb sagen Kinder übrigens auch oft zu vielem NEIN - irgendjemand muss es ja tun.) Oder die Eltern sind einfach nur ausgepowert und urlaubsreif. Auch das ist ein großer Grund für fehlende Geduld und innere Unruhe. 


Aus welchen Ursachen auch immer, Kinder spüren, wenn wir versteckt frustriert oder angespannt sind. Und spiegeln auch diese Emotionen gnadenlos zurück. Sie sind selbst ängstlich und gestresst, weil es ihren wichtigsten Bezugspersonen nicht gut geht. 

Diese Angst und diesen Stress möchten sie abbauen, indem sie sich an uns klammern und unsere Nähe suchen. Sie reagieren unausgeglichen oder aggressiv, sie werden „anstrengend“, „nervig“ oder vielleicht sogar „verhaltensauffällig“.

Noch nie war die Anzahl der mit ADHS diagnostizierten Kinder so hoch wie jetzt. Es war auch die Anzahl der mit Burnout diagnostizierten Erwachsenen noch nie so hoch wie jetzt. Leider hab ich keine Studie gefunden, die hier einen Zusammenhang beweisen würde – aber ich bin mir sicher, es gibt ihn. 


Deshalb:

Am besten kommt man durch mühsame Zeiten, wenn man nicht das Kind, sondern sich selbst ändert.

Unser inneres Kind kennenlernen

Liegt die Ursache für „nerviges“ Verhalten vielleicht bei euch…..? Wenn Kinder „nerven“, hilft oft, genau hinzuschauen. Es gab schon viele Tage, an denen ich mich fragte: Was ist denn los bitte, warum sind sie denn heute SO nervig??? Und dann richtete ich den Blick auf mein eigenes Innenleben: drei Nächte in Folge kaum geschlafen, Halskratzen von einer angehenden Verkühlung, Unmut, weil Papa momentan so viel in der Arbeit ist und schlechtes Gewissen, weil ich selbst zu wenig zum Arbeiten komme. 


Nachdem ich meine innere Unruhe erkannt, angenommen und losgelassen habe, waren plötzlich auch die Kinder wieder friedlicher! 


Es geht aber auch noch subtiler: Kinder triggern ganz oft unser eigenes inneres Kind. Wurden eure Eltern immer super sauer, wenn ihr euch schmutzig gemacht habt? Musstet ihr aufessen, damit am nächsten Tag die Sonne scheint? Wurdet ihr aufs Zimmer geschickt, wenn ihr frech wart? Wurde euch das Taschengeld gestrichen, wenn etwas kaputt ging?


Diese Dinge zu vermeiden wurde dann zur Überlebensstrategie eurer Kindheit – damit euch eure Bezugspersonen lieben. Und euer Spross verhält sich nun ganz und gar nicht so. Das bringt die Ängste von damals wieder ans Tageslicht, vor denen wir unsere Kinder ja schließlich unbedingt bewahren wollen. 


Die Ur-Angst: Gefallen zu müssen, damit man geliebt wird. 

Macht euch bewusst, dass dies EURE Ängste sind, die ihr zu Unrecht auf eure Kinder projiziert. Denn IHR liebt euer Kind bedingungslos so wie es ist – und lasst es das auch spüren! Was übrigens nicht heißt, immer nett sein zu müssen.


Ich weiß, es ist nicht einfach, denn es geht um das Unbewusste. Viele moderne Eltern wissen genau um die Verfehlungen aus ihrer Kindheit und möchten ihre Kinder bewusst anders behandeln. Trotzdem kommen im Affekt Verhaltensweisen der eigenen Eltern wieder zum Vorschein. 

Und wenn euer Kind sich das nächste Mal weigert, sein Zimmer aufzuräumen, nicht aufessen möchte oder dreckverschmiert nach hause kommt? Versucht euch in Erinnerung zu rufen, welche Reaktion ihr euch damals von euren Eltern gewünscht hättet! Die Veränderung, die sich dann in eurem Inneren abspielt, wirkt oft Wunder auf die gesamte Familienatmosphäre. 

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