top of page

Mein Kind will in den Ferien nicht üben - was jetzt?

19. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.

Eine verstaubte Schultasche - Mein Kind will in den Ferien nicht üben, was jetzt?
Symbolbild, KI-generiert

"Komm, nur mal eine halbe Seite."

Du hast den Satz ganz vorsichtig ausgesprochen.

Die Schultasche wurde aus der Ecke geholt und entstaubt. Das Ferienheft liegt schon auf dem Tisch bereit. Die Stifte feinsäuberlich daneben.

Malrechnen.

Dauer: Maximal 10 Minuten.

Doch dein Kind reagiert sofort mit totaler Ablehnung.

"Ich will nicht!"

Vielleicht verdreht es die Augen.

Vielleicht schmeißt es jetzt schon alles hin.

Vielleicht fängt es an zu diskutieren oder läuft davon.

Vielleicht fließen sogar Tränen.


Und sofort meldet sich dieser Gedanke bei dir:

"Es kann doch nicht sein, dass schon eine halbe Seite zu viel ist."

Und gleich darauf:

"Wie soll das erst werden, wenn die Schule wieder losgeht?"


Wenn du diese Situation kennst, möchte ich dir zuerst etwas sagen:

Dein Kind verweigert Lernen wahrscheinlich nicht, weil es faul ist.


Hinter jeder Verweigerung steckt ein Grund

Wenn Kinder etwas gut können und gerne machen, brauchen wir sie meistens nicht dazu überreden.

Sie bauen stundenlang Lego.

Würden am liebsten unendlich zocken.

Üben Handstand oder Elfmeterschießen so lange, bis sie es können.

Lesen zum hundertsten Mal dieselbe Geschichte.

Warum?

Weil sie Erfolgserlebnisse haben.

Weil sie neugierig sind.

Weil sie merken:

"Es macht Spaß."

"Ich werde besser."

"Ich kann das."

Lernen fühlt sich leicht an.


Ganz anders ist es, wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen über viele Monate mit Frust verbunden waren.

Wenn dein Kind immer wieder erlebt hat:

"Ich schaffe das sowieso nicht."

"Ich bin zu langsam."

"Alle anderen sind besser."

Dann beginnt es irgendwann, sich zu schützen.

Nicht vor dem Lernen.

Sondern vor dem Gefühl, wieder zu scheitern.

Die Folge sind Stress, Frust, Widerstand, Wut, Verweigerung, gar nicht erst anfangen wollen.


Das Gehirn kann unter Druck gar nicht richtig lernen

Hier lohnt sich ein kurzer Blick ins Gehirn.

Wenn dein Kind Angst hat, unter Druck steht oder ständig mit Misserfolg rechnet, schaltet das Gehirn in einen Alarmzustand.

Es möchte schützen.

Nicht lernen.

Neue Informationen werden dann viel schlechter verarbeitet und gespeichert.

Deshalb bringt es oft erstaunlich wenig, ein Kind zum Lernen zu zwingen.

Das wäre ungefähr so sinnvoll, wie einen Apfelbaum rot anzustreichen, damit die Äpfel schneller reif werden.

Die Farbe verändert den Baum nicht.


Genauso verändern noch mehr Übungen, noch mehr Erklärungen, noch mehr Druck nicht die Fähigkeit zu lernen.

Was das Gehirn stattdessen braucht, sind Sicherheit, positive Erfahrungen, Bewegung, Schlaf, Neugier und kleine Erfolgserlebnisse.

Ich nenne sie gerne den Gehirndünger.

Denn genau dadurch entstehen neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen.

Und genau diese Verbindungen sind Lernen.


Was hilft stattdessen?

Bevor du überlegst, was, wie lange, wie viel ihr heute üben solltet, frag dich lieber:

💛 Fühlt sich Lernen für mein Kind gerade sicher an?

💛 Hat mein Kind Erfolgserlebnisse?

💛 Passt diese Art zu üben überhaupt zu meinem Kind?

Vielleicht ist heute gar nicht der richtige Moment für das Ferienheft.

Vielleicht lernt dein Kind heute mehr, wenn ihr gemeinsam einen Kuchen backt, im Zoo Tiere beobachtet, eine Schatzkarte zeichnet oder beim Eisessen ausrechnet, ob das Taschengeld noch reicht.


Das ist kein "Nicht-Lernen".

Das ist Lernen auf einem anderen Weg.


Druck erzeugt selten Motivation

Viele Eltern hoffen:

"Wenn wir jetzt konsequent bleiben, wird es irgendwann leichter."

"Jeden Tag ein bisschen, dann wird Lernen zur Routine."

"Mein Kind muss ja auch merken, dass etwas weitergeht."

Manchmal passiert leider genau das Gegenteil.

Je öfter Lernen mit Druck verbunden ist, desto stärker verknüpft das Gehirn:

Lernen = unangenehm.

Und genau diese Verknüpfung möchten wir aufbrechen.

Das gelingt am besten mit neuen Erfahrungen.

Mit kleinen Erfolgen.

Mit dem Gefühl:

"Ich kann das."


💛 Bleib zuversichtlich

Wenn dein Kind gerade nicht lernen möchte, bedeutet das nicht, dass es nicht lernen will.

Vielleicht möchte es sich einfach nur vor einem Gefühl schützen, das viel zu oft wehgetan hat.

Deshalb beginnt Veränderung selten mit einem neuen Arbeitsblatt.

Sie beginnt mit einem neuen Gefühl.

Mit Sicherheit.

Mit Vertrauen.

Mit einem Weg, der zu deinem Kind passt.

Denn Lernen gelingt nicht, wenn wir Kinder zum Lernen zwingen.

Sondern wenn ihr Gehirn wieder bereit ist, Neues zu entdecken.


Du weißt nicht, warum Lernen für dein Kind so schwer ist?

Dann mach meinen Lern-Check für 0 Euro.

Er hilft dir dabei, die möglichen Ursachen besser zu verstehen und den ersten Schritt auf eurem ganz persönlichen Lernweg zu finden.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page