Du hast ein "anstrengendes" Kind? 10 Tipps für mehr Chillen
- 14. Apr.
- 6 Min. Lesezeit

Bleib entspannt! Ja genau! Pfffff! Im Alltag mit Kindern dauernd gechillt zu sein ist praktisch unmöglich, wirst du jetzt denken. Stimme ich dir vollkommen zu. Ich hätte auch schon sehr oft innere Ruhe und Gelassenheit auf Knopfdruck benötigt. Gibt es leider nicht.
Aber du kannst die Anzahl der gechillten Momente, Minuten, Stunden und vielleicht sogar auch Tage drastisch erhöhen, wenn du folgende Punkte beachtest. Aber zuerst:
Wie verhält sich ein "anstrengendes" Kind?
Tja, wann ist ein Kind anstrengend? Wenn es nicht tu, was von ihm verlangt wird? Wenn es rumnörgelt? Wenn es ständig Nein sagt? Wenn es nicht zuhört? Wenn es sein Geschwisterchen ärgert? Wenn es Schimpfwörter benutzt?
Kurz: Wenn sein eigener Wille zuschlägt. Wenn es kompromisslos seine Bedürfnisse über die der anderen stellt. (Das, was wir hin und wieder übrigens auch tun sollten.)
Ob ein Kind anstrengend ist, hängt immer auch sehr viel von unserer eigenen Gefühlslage ab. Und wie wir selbst mit gewissen Themen umgehen. Aber egal, aus welchem Grund du dein Kind als anstrengend empfindest, hier nun die 10 Tipps, die spürbar mehr Chill-Faktor in euren Alltag bringen:
Berücksichtige die Grundbedürfnisse deines Kindes
Wie gut bist du drauf, wenn du müde oder hungrig bist? Hast du dann weniger Geduld? Schnauzt du dein Kind eher an? Gehst du wegen Kleinigkeiten in die Luft? Kennst du diese Verhaltensweisen von deinem anstrengenden Kind?
Deinem Kind geht es genauso! Vor allem wenn von ihm viel Kooperation gefordert ist, z.B. weil du es zum Einkaufen mitschleppen musst, viel Fremdbetreuung oder Termine anstehen, achte darauf, dass dein Kind davor und zwischendurch ausreichend Möglichkeit zur Entspannung bekommt.
Und hab immer etwas zu essen und trinken dabei. IMMER. Auch wenn ihr gleich nach dem Mittagessen aufbrecht, müssen ausreichend Snacks in der Tasche sein.
Hab keine Erwartungen an das kindliche Verhalten
Kinder sind absolute Wundertüten und machen oft genau das Gegenteil von dem, was wir erwarten. Was gestern unbedingt notwendig war, kann heute der Weltuntergang sein.
Verabschiedet euch von der Illusion, Reaktionen und Verhalten eurer Kinder vorhersehen zu können.
Mit der Zeit entwickeln sie eine eigene Persönlichkeit und werden etwas berechenbarer, aber dieser Vorgang dauert Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte! Gerade in der Pubertät fahren die Emotionen (wieder) Achterbahn und die Laune kann innerhalb von Sekunden wechseln.
Wie oft wurden bei uns Bananen dunkelbraun, weil unsere Kinder tagelang drei Stück am Tag verlangt haben – und dann plötzlich wieder tagelang nicht. Auf die Frage von Freunden oder Verwandten, ob unsere Kinder gerne Nudelsuppe, Spinat, Tomatensoße, Schinken, etc. essen antworte ich immer mit: „Normal schon, aber keine Ahnung, wie das heute ist!“
Das Kleid mit dem Fuchs drauf hat unsere Tochter immer gerne angezogen – aus heiterem Himmel löst es einen morgendlichen Schreikrampf aus.
Mit rund 3 Jahren änderte unsere Tochter noch im Sekundentakt ihre Meinung. Bei Kleinkindern ist das völlig normal. Das junge Gehirn muss schließlich erst lernen, seine Gedanken zu sortieren und zu überlegen, BEVOR es sich verbal mitteilt. Je älter das Kind, je größer der Wortschatz und je klarer die Gedanken, desto besser sollte ein Kind seinen Willen artikulieren und dabei bleiben können - es sei denn, es hat nie gelernt, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören.
Zeige Verständnis für die kindliche Gefühlswelt
"Da gibt's jetzt überhaupt keinen Grund sauer zu sein!" Doch! Wenn Kinder sauer sind, haben sie IMMER einen Grund dazu. Sie sind sauer, weil das Lieblingsmüsli ausverkauft, die Zock-Zeit vorbei oder der beste Freund bei der Geburtstagsfeier krank ist. Nur weil es für uns kein Grund ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch für die Kinder keiner ist.
"Jetzt beruhig dich doch mal!" / "Jetzt hör doch auf zu weinen!" geht nicht auf Befehl. Da brauchen die meisten Kinder Hilfe. Und zwar in Form von Verständnis, Geduld und Trost.
Manche Kinder wollen gekuschelt werden, wenn es ihnen nicht gut geht. Manche wollen sich alleine in ihrem Zimmer verkriechen und sich selbst beruhigen. Manche müssen raus oder schreien oder boxen, um ihrem Ärger Luft zu lassen. Auf diese Bedürfnisse muss man Rücksicht nehmen und sie so gut es geht ermöglichen. Du selbst kennst dein Kind am besten.
Sorg für Routine
Kinder LIEBEN Routine und HASSEN Unerwartetes. Manche sind etwas flexibler als andere, aber die meisten Kinder werden total unrund, wenn etwas anders wird als gedacht. Oder sie mit etwas Neuem konfrontiert werden.
Nicht nach der Schule fernschauen, sondern ausnahmsweise mal zuerst essen? Geht gar nicht!
Die Freundin von Mama kommt mit auf den Ausflug? Die will ich nicht sehen!
Mal eine andere Strecke zum Fußballplatz radeln? Sorgt für gewaltigen Unmut!
Deshalb teil deine Pläne nicht zu früh mit deinen Kindern, falls sie wieder anders werden könnten und vor allem:
Kündig deinem Kind rechtzeitig Änderungen an
Viele Kinder haben Probleme mit so genannten Schwellensituationen:
Zuerst wollen sie nicht in den Garten, dann wollen sie nicht rein.
Zuerst wollen sich nicht zur Omi fahren, dann wollen sie nicht heim.
Zuerst wollen sie nicht ins Auto steigen, dann wollen sie nicht raus.
Zuerst freuen sie sich aufs Turnen, dann wollen sie nicht in den Turnsaal.
Diese Liste könnte man nahezu unendlich fortsetzen. Was hilft: Rechtzeitig auf den Übergang vorbereiten. „In 10 Minuten gehen wir nach Hause!“ – und das dann auch penibel einhalten. Ganz nebenbei bekommen so bereits die Kleinsten ein Gefühl für Zeitangaben.
Oder: „Schau die Folge noch fertig und dann schalten wir aus“. In diesem Fall sind Zeitangaben weniger geeignet, denn wie würdest du dich fühlen, wenn dir jemand mitten im Film den Fernseher abdreht?
Oft hilft es auch, etwas, womit gerade gespielt wurde, mitzunehmen: Das Stofftier, die Puppe, die Playmobil-Figur, ein Baustein oder das Malbuch kommen dann mit in die Tasche. Nicht, dass diese Dinge dann unterwegs auch nur eines Blickes gewürdigt werden würden, aber das Aufhören fällt leichter.
Mach klare Ansagen
Rechtzeitig auf den Übergang vorbereiten hat auch ein bisschen mit klaren Ansagen zu tun. „Noch ein allerletztes Mal und dann gehen wir nach Hause“ ist eine viel exaktere Aussage als „Wir werden jetzt dann bald gehen müssen, okay?“.
„Ich verstehe deine Wut, aber auch wenn du schreist und tobst und mich blöde Mama nennst und es mir furchtbar peinlich ist, dass alle herschauen – ich werde meine Meinung nicht ändern!“ transportiert ebenfalls eine klare Botschaft. Das reicht oft sogar, wenn man es nur denkt. So bleibt dann auch wenig Verhandlungsspielraum. Und apropos Verhandlungsspielraum:
Gib hin und wieder nach
Wie nachgeben? Im Ernst jetzt? Man muss doch konsequent sein! Wenn ich den Tobsuchtsanfall auch noch belohne, ziehen sie doch jedes Mal diese Show ab!
Äh, nein. In seinem Buch „Kinder verstehen“ berichtet Herbert Renz Polster, dass sogar Primaten-Mütter manchmal nachgeben und das Wohl ihres Kindes in den Vordergrund stellen. Nicht immer konsequent sein liegt also scheinbar in unserer Natur. Achtet einfach auf euer Bauchgefühl und probiert es aus.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass hin und wieder nachgeben und sich vom Kind zu etwas überreden lassen, dazu führt, dass sie diskutieren und verhandeln, anstatt sich kreischend auf den Boden zu schmeißen. Das ist zwar ein bisschen anstrengend, weil sie dann dauernd verhandeln, aber hey, vielleicht werden sie ja mal später UNO Generalsekretär….?
Aber: Steh auch zu einem klaren NEIN
Wenn Kinder oft mal ihren Willen durchsetzen dürfen, akzeptieren sie eher, wenn es dann einmal bei einem NEIN bleiben muss. Überlegt euch im Vorfeld, bei welchen unverhandelbaren Dingen ihr IMMER Nein sagt. Hier ist dann Konsequenz gefordert, aber auch Erklärung: WARUM ist uns das so wichtig?
Bei uns sind dies ausschließlich Dinge, bei denen es um Sicherheit und Gesundheit geht:
Vor dem Essen Hände waschen
Zweimal täglich Zähne putzen
Medikamente nehmen
Im Auto anschnallen
Beim Fahrrad- und Rollerfahren Helm aufsetzen
Alles andere ist verhandelbar.
Schaff dir Auszeiten
Ich hab es bei mir gemerkt. Drei Tage rund um die Uhr die Kids (weil Ferien, weil krank, weil Großeltern auf Urlaub) und meine Nerven liegen blank. Da müssen sie gar nicht mega-anstrengend sein, die fehlende Me-Time und die ständige Bereitschaft allein sorgen dafür, dass mein Akku leer und meine Geduld am Ende ist. Deshalb gönnt euch so oft wie möglich eine kleine Auszeit!
Nicht vergessen: Du hast nichts falsch gemacht!
Wenn Kinder trotziges Verhalten an den Tag legen, ist das ein Zeichen von Vertrauen. Sie fühlen sich geborgen genug, alle Vorsicht in den Wind zu schlagen und trauen sich, ungebremst ihre wahren Emotionen um sich zu schleudern. Dein Kind braucht sich bei dir nicht zurückhalten. Es kann sich aufführen wie es will, weil es sich deiner bedingungslosen Liebe sicher ist. Du bist der Safe Space, wo dein Kind sein kann, wie es sich gerade fühlt.
Da hast du was richtig gemacht!
Und wenn du doch mal explodierst….?
Wenn du die Wut auf dein Kind hochkochen fühlst – atme tief durch. Nimm dich aus der Situation und verlass wenn möglich kurz den Raum. Reagiere dich am Sofakissen ab. Singe, anstatt zu schreien.
Und wenn das nicht klappt und dir doch Dinge rausrutschen, die dir hinterher leid tun?
Klär das mit deinem Kind. Entschuldige dich. Gib zu, dass auch Erwachsene manchmal Fehler machen und gemein sind, obwohl sie das nicht wollen. Und dass du dein Kind trotzdem über alles in der Welt lieb hast. Sieh euren Konflikt als Qualitätszeit an, eure Bindung zu stärken. Um mit den Worten des Familientherapeuten Jesper Juul zu enden: „Und dann vergeben Sie sich selber!“




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